Die 4 Dimensionen von Kinderarmut

Armut bedeutet hierzulande für Kinder meist nicht, kein Dach über dem Kopf oder kein Essen zu haben – die existenzielle Grundversorgung ist in der Regel gewährleistet. Arm zu sein heißt aber, auf vieles verzichten zu müssen, was für Gleichaltrige ganz normal zum Aufwachsen dazugehört.

Die materielle Dimension von Armut bezieht sich auf Wohnraum, Nahrung und Kleidung. Die Wohnverhältnisse geben Raum sowie Rahmen für das tägliche Leben und Lernen und haben daher enorme Bedeutung für die körperliche, gesundheitliche und psychische Entwicklung eines Kindes. Mehr als die Hälfte aller armutsgefährdeten Kinder (58%) leben in zu kleinen, überbelegten Wohnungen, viele davon in feuchten oder schimmligen Zimmern. Rund ein Viertel der Kinder erhalten keine ausgewogene Ernährung und keine neue Kleidung, wenn die alte abgetragen ist. All diese Faktoren haben negative Auswirkungen auf Gesundheit, Wohlbefinden, Lernerfolge und Selbstwertgefühl. 

"Also ich bin unzufrieden, weil
vielleicht könnt ich doch eher
meine Wohnung verlieren, also
unsere Wohnung und davor
hab ich Angst."

Mädchen, 9 Jahre, Wien

Die kulturelle Dimension umfasst die kognitive Entwicklung, insbesondere den Zugang zu Bildung und Sprache sowie den Erwerb kultureller Kompetenzen. Bildung wird in Österreich im Vergleich zu anderen Industriestaaten überdurchschnittlich vererbt. Kinder aus bildungsfernen Haushalten erreichen seltener einen Hochschulabschluss. Ihre sozialen Aufstiegschancen sind geringer. Die Bildungschancen sind ungleich verteilt. Hinzu kommt, wer in der Schule nicht dazu gehört, läuft auch Gefahr die Schule vorzeitig abzubrechen.

"In der Schule ist es so, dass weil ich
immer so oft krank bin, das ich nicht so
weit mitkomme und deswegen immer
viel nachmachen muss."

Bub, 13 Jahre, Kärnten

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Die soziale Dimension beschreibt die Einbindung eines Kindes in sein soziales Umfeld, die Entwicklung sozialer Kompetenzen und Kontakte. Doch Armut schließt von vielen sozialen Aktivitäten aus. Kommt niemand zum Geburtstag, oder kann man nicht mit auf Schulskikurs fahren, manifestiert sich nachhaltig ein Gefühl des nicht dazu Gehörens. Armutsbetroffene Kinder Kinder und Jugendliche leiden an der Ausgrenzung aus der Gemeinschaft – eine enorme psychische Belastung. Hinzu kommt der Stress, ihre Armut verbergen zu wollen. Sie vermeiden Treffen mit Freunden, weil sie sich schämen, nichts konsumieren zu können oder nichts zur Party mitbringen zu können. Die Gefahr ausgegrenzt und isoliert zu werden, ist drastisch erhöht. Das soziale Leben ist schlichtweg eingeschränkt.

Dass wieder mal boa Lüt zu meinem
Geburtstag kommen, weil sit drei oder vier
Johr isch koana mehr zu mien Geburtstag
ko, also in da Volksschul sin halt immer no
welche ko, aber jetzt überhaupt koana mehr.

Bub, 12 Jahre, Vorarlberg

Die gesundheitliche Dimension schließlich gibt Auskunft über die physische und psychische Gesundheit sowie über armutsbedingte Beeinträchtigungen. Ergebnisse einer Umfrage unter ÄrztInnen zeigen etwa, dass armutsgefährdete Kinder sich häufiger weniger gesund und weniger leistungsfähig fühlen, ein höheres Verletzungsrisiko haben und auch häufiger unter chronische Krankheiten leiden.

"Manchmal hab ich
Bauchschmerzen … immer
wenn ich traurig bin, bekomm
ich halt die Bauchschmerzen."

Mädchen, 11 Jahre, Wien

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