Volkshilfe warnt zum erneuten Schulstart: Nicht für alle Kinder ist die Krise vorbei.

„Wenn kommende Woche wieder die Schule in der Schule beginnt, dann dürfen wir eines nicht vergessen: nicht alle Kinder starten vom gleichen Punkt aus. Studien aus den USA zeigen, dass längere Schulschließungen soziale Ungleichheiten vergrößern. Erfahrungen von Brennpunktschulen hierzulande bestätigen dieses Phänomen des ‚Feriengaps‘. Die Schulen müssen darauf jetzt Rücksicht nehmen und die Politik muss gegenlenken“, fordert Erich Fenninger, Direktor der Volkshilfe Österreich, anlässlich des Schulstarts.  

Unsere Erfahrungen in der Arbeit mit einkommensschwachen Familien zeigen die Lernprobleme in der Praxis auf. Mehrere Familien, die wir im Modellprojekt Kindergrundsicherung begleiten, berichten: Ein 14-Jähriger Schüler aus Kärnten erzählt, dass er seine Schulaufgaben auf einem Laptop macht, dessen Tastatur nicht mehr komplett ist. Viele Aufgaben macht er daher übers Handy, aber manches geht einfach nur über einen Computer, wenn man zum Beispiel Word braucht. Eine alleinerziehende Mutter aus Wien berichtet, wie schwierig und belastend es für sie ist, wenn ihre vier schulpflichtigen Kinder Fragen stellen und sie nicht wirklich helfen kann, weil ‚die Schule schon so lange her ist‘. Besonders schwierig ist die Situation für eine Mutter aus dem Burgenland. Eines ihrer drei Kinder bekommt normalerweise Ergotherapie, ein anderes logopädische Unterstützung. Beides war in den letzten neun Wochen nicht möglich. Die Konzentrationsspanne der beiden Kinder ist generell kurz und so waren die letzten Wochen für die ganze Familie sehr belastend und Schule daheim ohne zusätzliche pädagogische Unterstützung eigentlich unmöglich.  

Eine aktuelle Studie des Deutschen Jugendinstituts bestätigt, dass Kinder die unter prekären Verhältnissen aufwachsen vermehrt an Hyperaktivität, Konzentrationsschwierigkeiten und Verhaltensproblemen leiden, die auch zu schulischen Problemen führen. Diese Benachteiligung wurde in den letzten Wochen durch fehlendes Equipment, fehlenden Lernplatz und mangelnde Unterstützung durch die Eltern zusätzlich verstärkt.  

„Seine Kinder zu unterrichten und bei Aufgaben zu unterstützen, das geht oft nicht mehr, wenn die täglichen finanziellen Sorgen, der Druck, die Belastungen zunehmen. Hier muss der Staat ansetzen und für Sicherheit sorgen“, fordert Erich Fenninger.  

„Wir müssen den Kindern und Familien zumindest die finanziellen Sorgen nehmen – etwa durch die Erhöhung der Nettoersatzrate des Arbeitslosengeldes auf 70 Prozent, die Erhöhung der Mindestsicherung für Familien und eine Kindergrundsicherung, die Kindern ein gutes Auskommen garantiert. Nur so können wir die Auswirkungen der Corona-Krise auf die Kinder ein wenig abmildern und kommen auch jenem Vorhaben der Bundesregierung ein Stückweit entgegen, das sie sich am Beginn der Legislaturperiode selbst gestellt hat: Kinderarmut abzuschaffen“, so Fenninger abschließend.

18. Mai 2020

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