Corona als gefährlicher Armutsbeschleuniger

„Für die ärmsten Kinder will man in einem der reichsten Länder der Welt offenbar kaum Ressourcen zur Verfügung stellen“, mahnt Erich Fenninger, Direktor der Volkshilfe Österreich angesichts der Armutszahlen der heute veröffentlichten EU-SILC-Statistik.

Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren machten im Jahr 2019 etwas mehr als ein Fünftel (21% bzw. 303.000 Personen) aller Armuts- und Ausgrenzungsgefährdeten aus. Das Risiko sozialer Ausgrenzung lag für diese Altersgruppe mit 19% über dem der Gesamtbevölkerung.

Ausbreitung von Kinderarmut wird durch Corona angeheizt

„Gerade vor dem Hintergrund der Corona-Krise sind diese Zahlen alarmierend. Wenn die Regierung Kinderarmut halbieren will, braucht es jetzt Maßnahmen. Unsere Kindergrundsicherung ist ein erprobtes Modell, wir laden die Politik ein, sich von unseren Erfahrungen im Projekt zu überzeugen“, richtet sich Fenninger an die Bundesregierung.

„Kurzarbeit, Rekordarbeitslosigkeit und die neue Sozialhilfe stellen einen gefährlichen Brandbeschleuniger für die Ausbreitung von Kinderarmut in Österreich dar. Ohne entsprechende staatliche Sicherungsnetze wird für alle Menschen, die schon vor Corona finanziell benachteiligt waren, dieser Status durch verringerte Widereinstiegschancen nach Kurzarbeit oder Kündigung weiter einzementiert.“, so Fenninger weiter.

Eine aktuelle Studie der Uni Wien macht deutlich, dass Personen, die schon vor dem Shutdown niedrige Haushaltseinkommen hatten, nun mit besonders wenig Geld auskommen müssen. AlleinerzieherInnen und Mehrkindfamilien ab 3 Kindern gehören zu dieser Gruppe. Für armutsgefährdete Kinder wird es jetzt also noch härter. „Wir müssen diesen benachteiligten Kindern zumindest die finanziellen Sorgen nehmen. Durch eine Erhöhung der Nettoersatzrate des Arbeitslosengeldes auf 70 Prozent, durch eine Erhöhung der Mindestsicherung und durch eine Kindergrundsicherung für alle Kinder in Österreich.“, fordert Fenninger.

Nachhaltige Absicherung

Die Arbeitslosigkeit wird laut Wifo in den kommenden 4 Jahren nicht mehr auf das Niveau vor Corona zurückfinden. Das wird negative Auswirkungen auf die Langzeitarbeitslosigkeit haben und kann auch Teile der Mittelschicht abrutschen lassen. Besonders stark von Einkommensverlusten werden in den kommenden Jahren junge ArbeitnehmerInnen betroffen sein. Das wirkt sich in weiterer Folge auch auf die finanzielle Situation von Jungfamilien aus. „Kinderarmut zu bekämpfen muss jetzt höchste Priorität haben. Wenn wir in fünf Jahren nicht einen Anstieg verzeichnen wollen, braucht es jetzt ein Gegensteuern“, fordert auch Ewald Sacher, Präsident der Volkshilfe Österreich.

28. Mai 2020

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